Lyrik

Meer des Wissens

leba 10

V: Überlege, ob ich mich nicht im Ozean des Wissens befinde?

M: Ist das nicht schön?

V: Ich habe Angst, niemals mehr die Insel zu finden.

M: Ich bin mir sicher, der kleine Kohldämpfler führt dich automatisch dahin zurück. Dein Körper führt Dich immer wieder auf die Insel zurück.

V: Wenn ich aber zuvor ertrinke?

M: Ist es schlecht in Wissen zu ertrinken?

V: Ich brauche aber meine Insel, um Liebe zu spüren.

M: Entweder rettet Dich Dein Körper, wenn er spürt, dass Dir die Luft zum atmen fehlt, oder du ertrinkst und landest dann automatisch auf der großen Insel der Liebe.

V: Wo ist die Küste der Liebe?

M: Da, wo das Meer des Wissens ganz flach wird, das Wasser klar und ruhig.

V: Petra, ist dort auch der sichere Boden, auf dem zu gehen ich vermag?

M: Natürlich, dort ist auch der sichere Boden.

V: Kann man dann dort das Strandgut der Gedanken fest mit einbauen?

M: Ich denke, wenn Platz dafür freigelassen wurde, mache Teile passen wie bei eine Puzzle hinein. Für andere muss oft noch ein Puzzle geschaffen werden.

V: Am Anfang war meine Insel ganz klein, je weiter ich wegschwimme, desto größer wird sie und desto leichter fällt es mir, auf sie zurück zukommen. Je
weiter ich aber hinausschwimme, dem Licht entgegen, desto größer wird auch der Ozean. Ist das nicht paradox?

M: Ich denke, das Paradoxe gehört zu den Lebensprinzipien?

V: Oder sagen wir dazu nur paradox, weil unser Geist dies nicht erfassen kann, es sei
ja nur linear strukturiert.

M: Beides ist wieder möglich, du musst für dich selbst die Antwort finden.

V: Ach Mutti, ich muss wieder schwimmen. Ich lasse mich gerne treiben von einem Wellenberg zum nächsten. Die Talfahrt lichter Gedanken bringt mich mit Schwung auf den nächsten Gipfel, von dort aus kann man für einen Moment dem Irrglauben verfallen, man hätte den Überblick über den Ozean, aber im nächsten Wellenschlag zieht dich ein Strudel hinab. Wenn man Fortune besitzt, trägt der nächste Wellengang dich wieder hinauf. Dort kannst Du wieder frei atmen, das Tosen der unermüdlichen Fragen, das sonst dein Gebein erschüttert, weicht für einen kurzen Moment einer Ruhe, der Ruhe, die auch im Auge des Hurrikans präsent ist.

Du Zerbrechlicher, du willst dich den Fragen stellen,
du willst den Wellen trotzen, du willst sie beherrschen?

Du Narr, du kannst ihnen weder trotzen noch wirst du sie jemals
beherrschen.

Du kannst dich treiben lassen, versuchen die Richtung zu ändern und dich darüber freuen, wenn dir dies gewährt wird. Sollte dies aber nicht deine Richtung, nicht dein Weg sein, so wirst du mit aller Kraft einer tosenden Welle zurückgeworfen, wieder in deine Bahn gebracht. Liebe wirst du dabei nicht finden, du versuchst immer wieder zur Insel zurückzukommen, um aufzutanken, um die Kraft zu atmen, um dich erneut dem Peitschen der Wellen hinzugeben.

IMMER UND IMMER WIEDER